Artgerechte Haltung

Artgerechte Haltung von Hasen und Kaninchen

Wie man Hasen artgerecht hält, was versteht man unter „Artgerechte Haltung “ darüber wissen leider nur wenige Menschen Bescheid. Dass eine Katze nicht in einen Käfig gesperrt werden sollte, weiß eigentlich jeder. Aber auch Hasen und Kaninchen haben einen unglaublichen Bewegungsdrang – bekanntermaßen hoppeln sie für ihr Leben gern. Deswegen ist es alles andere als artgerecht, wenn Hasen in engen Käfigen leben müssen und niemals die Gelegenheit bekommen, nach Herzenslust und Laune umherzuhopplen und Haken zu schlagen. Im Idealfall sollte jedes Tier 1-2 m² Platz zur Verfügung haben, was leider bei vielen Käfigen nicht der Fall ist. Noch besser ist es, wenn die Freifläche zum Hoppeln den Tieren nicht nur stundenweise, sondern rund um die Uhr zur Verfügung steht. Hasen sind nämlich dämmerungsaktiv und wollen sich gerade dann oftmals gerne austoben. Werden Hasen im Winter im Freien gehalten, ist es sogar fast zwingend notwendig, dass sie eine Möglichkeit haben, sich ausreichend zu bewegen, denn nur dadurch können sie sich schnell warmhoppeln.

Kaninchen: Artgerecht halten, pflegen und verstehen (Cadmos Heimtierpraxis)

Haltung von Hasen: Niemals in „Einzelhaft“!

Auch das ist vielen unbekannt: Hasen sind sehr soziale Tiere, die niemals gerne alleine leben. Wer einmal beobachtet hat, wie liebevoll Hasen miteinander umgehen, wie sie sich gegenseitig wärmen, miteinander kuscheln oder ihr Fell pflegen, wird schnell verstehen, dass es für Hasen eine Qual ist, alleine leben zu müssen. Also: ein oder auch mehrere Argtgenossen sollten jedem Hasen Gesellschaft leisten. Im Übrigen ist der Mensch oder auch ein Meerschweinchen kein ebenbürtiger Partner für einen Hasen. Ein Mensch möchte schließlich auch nicht unbedingt mit einem Affen zusammen eingesperrt werden. Artgerechte Haltung ist bei Hasen nur zu mehreren möglich.

Allerdings ist das Zusammensetzen der Tiere nicht ganz einfach. Es ist keinesfalls zu empfehlen, zu einem Tier, welches bereits seit einiger Zeit im Stall lebt, einfach ein weiteres hinzuzusetzen, da ersteres den Neuling dann nur als Eindringling in sein Revier empfinden würde. Mehrere Hasen zu vergesellschaften ist aufwendig und erfordert Geduld, Know how und Fingerspitzengefühl, da die Gruppe möglichst sinnvoll zusammengestellt werden sollte. Am wenigsten harmonieren in der Regel nur Weibchen miteinander, ist es eine gemischte Gruppe, sollten die Männchen grundsätzlich kastriert werden.

Im Übrigen ist auch das Halten mehrerer Tiere eine Grundvoraussetzung, wenn Kaninchen oder Hasen im Winter im Freien gehalten werden soll. Alleine würde es frieren – lebt es hingegen mit Artgenossen, können sich die Hasen bei niedrigen Temperaturen gegenseitig aufwärmen, indem sie dicht aneinander kuscheln.

Artgerechte Haltung: der Umgang mit den Tieren

Da Hasen und Kaninchen Fluchttiere sind, sollten sie niemals spontan von oben hochgenommen werden. Sie fühlen sich dabei nämlich schnell bedroht. Am besten, man nähert sich dem Tier langsam und wartet ab, wie es reagiert. Nicht alle Tiere werden zahm, auch das sollte man wissen und respektieren, denn Hasen sind keine Schmusetiere, sondern genügen meist sich selbst, wenn sie in Gruppen gehalten werden.

Artgerechte Haltung: Die Ausstattung des Hasenstalls

Richtig wohl fühlen sich die Kaninchen in ihrem Käfig erst, wenn sie das ein oder andere „Spielgerät“ zur Verfügung haben. Beim Hasenstall kaufen solltest du also gleich nach dem entsprechenden Zubehör Ausschau halten. Kleine Häuschen, in denen sich die Tiere verstecken können, sind ebenso empfehlenswert wie Buddelkisten, Tunnel, Röhren oder Treppen. Auch ein Käfig, der mehrere Ebenen bietet, auf denen sich das Kaninchen aufhalten kann, ist zu empfehlen.

Wie bereits geschrieben, handelt es sich bei Kaninchen und Hasen um Fluchttiere. Wenn Gefahr droht, sollten die Tiere irgendwo im Käfig einen Unterschlupf finden. Dafür sind kleine Häuschen aus Holz ideal. Wichtig jedoch ist, dass diese Unterschlüpfe zwei Eingänge haben. Sollte es bei den Tieren einmal zu Rangkämpfen kommen, kann der Hase, der im Unterschlupf ist, notfalls auf der anderen Seite wieder heraus und sitzt somit nicht in der Falle.

Weiterhin wichtig ist ein Innenstall, der sich innerhalb des Geheges befindet, den Tieren Schutz vor Wind und Wetter bietet und in welchen sie sich Alle Seitenjederzeit zurückziehen können. Dieser sollte je nach Jahreszeit mit (viel)

ausgestattet werden.

Nicht zu vergessen: Zu einer artgerechten Haltung gehört natürlich auch die Pflege des Käfigs und das Reinigen der Toilette, was vor allem in der warmen Jahreszeit täglich erledigt werden sollte. Außerdem prüfen gewissenhafte Hasenbesitzer täglich oder zumindest regelmäßig, ob ihre Tiere gesund sind und ob das Fell – auch im Afterbereich – unversehrt ist.

Standort des Hasenstalls

Vor dem Kauf des Hasenstalls sollte man sich unbedingt Gedanken darüber machen, wo dieser am besten stehen soll. Ein Stall, in dem Hasen artgerecht gehalten werden können, ist nicht gerade klein und der Platzbedarf ist deswegen keinesfalls zu unterschätzen. Der ideale Standort des Hasenstalls ist im Freien und möglichst nicht in der prallen Sonne.

Der Standort des Hasenstalls: nicht zu sonnig,
nicht zu nass und nicht zu windig

Am besten eignet sich grundsätzlich eine Ecke im Garten, die in der Nähe von schattenspendenden Bäumen liegt. Eine Stelle, an der im Sommer ungehindert die pralle Sonne scheint, ist weniger geeignet. Falls es sich nicht anders einrichten lässt, muss dann für einen ausreichenden Schutz gegen die Sonne direkt auf dem Hasenstall gesorgt werden. Pralle Sonne und Hitze machen den Tieren nämlich viel mehr zu schaffen als vergleichsweise Kälte.

Wenn es regnet, sollten die Hasen allerdings auch nicht permanent im Nassen sitzen müssen. Zwar macht die Nässe den Kaninchen grundsätzlich nicht viel aus, schließlich haben sie ja ein Fell. Dennoch ist es gerade bei kühler und feuchter Witterung angenehm, wenn sich die Tiere auch mal in trockene und windgeschützte Ecken des Stalls verziehen können. Ansonsten drohen – wie beim Menschen -Erkältungskrankheiten. Deswegen gilt: jeder Hasenstall sollte unbedingt auch über Flächen verfügen, an die kein Regen und keine Feuchtigkeit hingelangen kann.

Zugleich darf der Platz aber auch nicht zugig sein. Manchmal ist deswegen auch eine Stelle geeignet, die direkt an einer Haus- oder Garagenwand angrenzt. Auch in der Nähe einer Hecke ist eine gute Alternative. Ist der Standort des Hasenstalls hingegen an einer eher zugigen Stelle vorgesehen, sollte mindestens eine Seite komplett geschlossen werden, zum Beispiel mit Holz.

 

Artgerechte Haltung

Schnee? Kein Problem

Schnee macht Kaninchen und Hasen übrigens überhaupt nichts aus, ganz im Gegenteil. Die Tiere leiben es sogar, durch die weiße Pracht zu hoppeln oder darin zu spielen. Also ist es für eine Artgerechte Haltung kein Problem, wenn in Teile des Geheges Schnee fällt. Aber auch hier gilt: ein trockenes Plätzchen sollte trotzdem immer vorhanden sein.

Der ideale Standort des Hasenstalls: Nicht zu weit weg vom Haus!
Naturgemäß sind die meisten Menschen eher etwas faul. Immerhin ist es unumgänglich, den Hasenstall mindestens zweimal am Tag für die Futtergabe aufzusuchen. Insofern ist es also immer sinnvoller, der Hasenstall steht in Reichweite des Hauses und nicht im allerentlegensten Winkel des Gartens.

Der Untergrund

Der Untergrund des Hasenstalls ist ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen ist Gras ideal, weil es die Tiere gleich abfressen können. Allerdings wird sich gerade deswegen das Gras nicht lange halten – im Nu ist alles weggeknabbert und dann herrscht pure Öde anstatt grüner Fläche. Grundsätzlich können und dürfen die Hasen natürlich auch auf dem Erdreich leben. Etwas einfacher zu reinigen ist der Hasenstall allerdings, wenn er einen festen Untergrund hat. Bewährt haben sich hier Betonplatten mit nicht zu glatter Oberfläche, so dass die Hasen darauf hoppeln können, ohne auszurutschen.

Schutz gegen Raubtiere und Anknabbern nicht vergessen

Bei Hasen handelt es sich um Tiere, die regelrechte Weltmeister im Buddeln sind. Das heißt, dass das Gehege unbedingt von unten gegen Ausbruch gesichert werden, ansonsten haben sich die kleinen Buddler schnell ins Freie gegraben. Dieses Gitter, welches 5-10 cm tief in den Boden gegraben werden sollte, erfüllt zusätzlich den Zweck, dass es die Hasen vor Raubtieren schützt. Der Draht, mit dem das Gehege oder der Stall ummantelt ist, muss knabbersicher und möglichst engmaschig sein, da Marder sich erstaunlich klein machen und somit auch durch winzige Ritzen und Löcher gelangen können. Von oben muss der Stall ebenfalls durch Maschendraht vor Raubvögeln und anderen Tieren geschützt werden.

Zubehör für Hasen und Kaninchen

Es gibt so einiges an Zubehör für die kleinen Fellnasen zu kaufen, welches sinnvoll ist und/oder den Tieren auch eine Menge Spaß bereitet. Wenn der Stall so groß ist, dass die Tiere sich darin ausreichend bewegen können – was unbedingt zu empfehlen ist – dann darf auch der ein oder andere hasengerechte „Einrichtungsgegenstand“ nicht fehlen.

Zubehör für Hasen: Häuschen und Unterschlupf

Hasen sind Fluchttiere, das heißt, dass sie, wenn vermeintlich Gefahr droht, schnellstens die Flucht ergreifen und dafür einen Unterschlupf benötigen. Hierfür sind kleine Häuschen prima geeignet. Der Hase hat ein Dach über dem Kopf und fühlt sich somit geschützt. Anstelle von Holzhäuschen gehen auch Brücken oder Pflanzringe, die man seitlich aufstellt. Pro Hase im Käfig sollte mindestens ein Unterschlupf vorhanden sein, der unbedingt zwei Öffnungen haben muss, damit das Tier, wenn es zu Rangkämpfen kommen sollte, nicht in der Falle sitzt, sondern auf der anderen Seite wieder heraus kann.

Zubehör für Kaninchen: Kaninchenbett

Ein Bett brauchen weder Hasen noch Kaninchen – dennoch gibt es verschiedene Kuschelbetten im Angebot, in denen die Tiere gerne mal eine Auszeit nehmen. Ein Grasbett zum Beispiel ist kuschelig und die Tiere können problemlos daran knabbern, was eher einer Artgerechte Haltung entspricht.

Treppen und Tunnel als Zubehör

Hasen lieben es, wenn ihr Käfig ein wenig abwechslungsreich gestaltet ist. Hoppeln macht zwar Spaß, aber immer nur hoppeln wird schnell langweilig. Deswegen wird ein Hasenstall aufgewertet, wenn sich darin nicht nur verschiedene Versteckmöglichkeiten befinden, sondern auch Tunnel, Röhren und Treppen, die von einer Etage in die nächste führen.

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Zubehör für den Hasenstall: Fressnapf und Heuraufe

Der ideale Fressnapf sollte so stabil sein, dass er nicht gleich umkippt, wenn das Kaninchen sich darauf stützt oder hinein beugt. Ideal sind hier schwere und rutschfeste Gefäße, die leicht ausgewaschen werden können. Keramik oder Stein sind empfehlenswerte Materialien.

Auch die Heuraufe darf nicht fehlen, schließlich sollten artgerecht gehaltene Kaninchen rund um die Uhr Heu zum Knabbern zur Verfügung haben. Wird dieses einfach nur auf den Stallboden gelegt, kann es schnell verunreinigt werden, was sehr unhygienisch ist und auch gesundheitliche Folgen haben kann. Außerdem könnte das Heu auf dem Boden nass werden und schimmeln. In einer Heuraufe hingegen ist das Heu trocken und sauber aufgehoben.

Wichtiges Zubehör für Hasen: Die Toilette

Was viele nicht wissen: Hasen sind erstaunlich reinliche Tiere, die sogar problemlos stubenrein werden, wenn man ihnen ein bisschen Unterstützung gibt. Dafür ist eine Hasentoilette wichtig. Diese sollt keinesfalls zu klein sein – das Tier muss bequem darin sitzen können. Praktisch sind Eck-Toiletten, die in eine Ecke des Hasenkäfigs gestellt werden können. Das Material sollte pflegeleicht und abwaschbar sein – hier hat sich Kunststoff am meisten bewährt. Die Hasentoilette wird am besten entweder mit Stroh oder aber, noch besser, mit spezieller Einstreu gefüllt, so dass die entstehende Feuchtigkeit gleich aufgesaugt wird. Eine solche Hasentoilette kann problemlos täglich aufs Neue gereinigt und die Streu ausgetauscht werden. Am besten, man stellt die Hasentoilette in genau dem Eck auf, welches die Hasen ohnehin schon von sich aus als Toilette benutzen.

Spielzeug

Spielzeug für Hasen und Kaninchen gibt es jede Menge und sind auch für eine Artgerechte Haltung sinnvoll. Ob die Tiere dies nun zwingend brauchen oder nicht, sei mal dahin gestellt. Fakt ist aber, dass die meisten Hasen verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten gerne annehmen. Ein Snackball zum Beispiel kann mit Futter gefüllt werden und es macht den Tieren immer wieder Spaß, sich damit zu beschäftigen. Spielrollen aus Holz mit integriertem Glöckchen können problemlos angeknabbert werden und sorgen für Abwechslung im Stall.

Bei allen Zubehörteilen, die es für Kaninchen und Hasen zu kaufen gibt, sollte beachtet werden, dass sie möglichst knabbersicher und unbehandelt sind. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden die Tiere nämlich alles, was sich im Käfig befindet, anknabbern. Gerade Holz ist deswegen ein ideales Material für Spielzeug und Einrichtungsmaterial. Es kann problemlos angenagt werden, wenn es naturbelassen ist. Alle anderen Teile sollten, wenn möglich, abwaschbar sein.